Aufmacher_Umweltpapiere

Wer beim Stichwort Umweltpapier an graue Blätter denkt, auf denen die Tinte verläuft, hat sich wohl noch nicht intensiv mit diesem Thema befasst. Längst gibt es ökologisch unbedenkliches Papier in sämtlichen Qualitätsstufen und Farbtönen. Da lässt sich mit Leichtigkeit das Passende für jeden Verwendungszweck finden. Wesentlich schwieriger gestaltet es sich, zu erkennen, was tatsächlich als Umweltpapier im besten Sinne gilt und was sich nur so nennt.

Denn der Begriff „Umweltpapier“ beziehungsweise „Umweltschutzpapier“ selbst ist nicht geschützt. Etwaigen Etikettenschwindel entlarvt man mit guter Kenntnis der diversen Bezeichnungen und anhand der vergebenen (oder eben fehlenden) Siegel. Damit Sie ökologisch wertvolles Papier von bedenklichen Produkten unterscheiden können, informieren wir Sie in den folgenden Abschnitten über die wichtigsten Aspekte rund um Papierherstellung, Gütezeichen und Bezeichnungen.

Inhalt

Wie wird Papier hergestellt?

Das Endprodukt Papier entsteht vereinfacht dargestellt in folgenden Arbeitsschritten:

  1. Das Rohmaterial wird für die Verarbeitung vorbereitet. Bei der Herstellung von Frischfaserpapier kommen Holz oder andere pflanzliche Stoffe zum Einsatz. Im ersten Schritt muss deren Zellulose freigelegt werden. Beim Recyclingpapier besteht das Rohmaterial aus Altpapier. Dieses muss man in einem Wasserbad zunächst in seine einzelnen Pflanzenfasern zerlegen.
  2. Das daraus gewonnene Material nennt sich nun Faserstoffe – und zwar Primärfaserstoffe bei der direkten Gewinnung aus Pflanzen und Sekundärfaserstoffe bei der Herstellung aus Altpapier.
  3. Diese Fasern (die sekundären erst nach dem Trocknen) versetzt man nun mit den weiteren Stoffen wie Farben und Leim und mahlt sie zu kleinen Partikeln. In dieser Phase erfolgt im Bedarfsfall auch eine Bleiche, wenn ein helleres Weiß gewünscht ist.
  4. Das gemahlene Ausgangsmaterial wird mit Wasser zum Ganzstoff, einem eher dünnflüssigen Brei, vermischt. Dieser kommt auf ein Sieb, auf dem durch Abtropfen eines Teils des Wassers das Vlies entsteht.
  5. Diese immer noch feuchte Papiervorstufe wird gepresst und in Öfen getrocknet.
  6. In dieser Phase erfolgt eine eventuelle Veredelung (Prägung, Lackierung etc.).
  7. Bis zum fertigen Endprodukt müssen die Hersteller das Papier noch glätten, schneiden und abpacken.

PapierherstellungGrundsätzlich lässt sich Papier in Fabriken produzieren oder handwerklich herstellen. Während die großen Mengen, die in der alltäglichen Kommunikation und im Geschäftsbereich anfallen, nur industriell bewältigt werden können, kommt handgeschöpftes Papier eher für kleine Stückzahlen und besondere Anlässe infrage.

Wie entsteht umweltfreundliches Papier?

Bei jedem einzelnen der oben erläuterten Arbeitsschritte kann man aus ökologischer Sicht vieles falsch machen. Im Umkehrschluss bedeutet dies aber auch, dass sich durch eine umweltbewusste Produktion viele schädliche Aspekte vermeiden lassen.

Ausgangsmaterial für Umweltpapier

Für Umweltschutzpapier besteht das Rohmaterial im Allgemeinen aus Altpapier aus den sogenannten unteren Sorten, den gemischten Haushaltsabfällen aus Papier, Karton und Pappe. Enthaltene Schadstoffe können zwar weitgehend bei der Zerlegung in Fasern herausgewaschen werden, machen jedoch das Herstellungsverfahren aufwendiger. Zudem sind Rückstände nicht auszuschließen. Für Verpackungen, die direkt mit Lebensmitteln in Kontakt kommen, sollte nur einwandfreies Altpapier recycelt werden.

Frischfaserpapier zählt normalerweise nicht als umweltfreundliches Papier. Denn in der Regel wird dafür wertvoller Wald gerodet oder das Rohmaterial aus Plantagen geerntet, die wiederum die Nachteile von Monokulturen mit sich bringen. Alternativen aus nachhaltigem Anbau, anderen Rohstoffen oder Pflanzenabfällen gelten hingegen als umweltschonend (siehe auch Siegel, Graspapier und Naturpapier).

Zusätze bei Umweltpapier

Generell dürfen keine Stoffe enthalten sein, die der Umwelt oder der Gesundheit schaden. Bei der Produktion werden deshalb keine schädlichen Leime oder andere Stoffe beigemischt. Es finden sich lediglich die bereits erwähnten Rückstände aus dem Altpapier, insbesondere dem Pflanzenbestandteil Lignin. Dieses ließe sich nur vollständig vermeiden, wenn ausschließlich Primärfasern verwendet würden.

Herstellungsverfahren von Umweltpapier

Umweltfreundlich ist aus dieser Hinsicht am ehesten das Recyclingpapier, weil zu dessen Herstellung weit weniger Wasser nötig ist als bei Frischfaserpapier. Bestimmte Chemikalien wie beispielsweise Weichmacher sind verboten. Bei dem sogenannten Deinking im Recyclingverfahren werden diese Stoffe ausgefiltert. Ebenfalls ausgeschlossen ist eine Bleiche mit Chlor.

Logistik

Die kürzesten Transportwege sorgen für die beste Ökobilanz. Deshalb gilt auch unter diesem Aspekt vor allem das Recyclingpapier als umweltfreundlich, da das Altpapier direkt aus Deutschland stammt. Trotz Holzwirtschaft hierzulande stammen die Rohstoffe für Primärfaserpapier fast ausschließlich aus weiter entfernten Ländern, nicht selten aus schützenswerten Urwäldern.

Von großem Vorteil ist zudem eine einzelne Produktionsstätte, an der alle erforderlichen Schritte zur Papierherstellung erfolgen. Ausgelagerte Arbeitsschritte sorgen für unnötige Zusatzwege.

Entsorgung von Umweltpapier

Umweltfreundliches Papier ist kein Abfall, sondern ein wertvoller Rohstoff für die erneute Papierherstellung. Je ökologischer dieses Ausgangsmaterial beschaffen ist, desto weniger Aufwand erfordert die Aufbereitung. Wegen der fehlenden Schadstoffe ist Umweltpapier ein erstklassiges Rohmaterial und stärkt damit die Kreislaufwirtschaft.

Da ein geschlossener Kreislauf sowohl für eine sinnvolle Abfallwertung sorgt als auch natürliche Ressourcen schont, hat der Gesetzgeber Normen und Voraussetzungen in Paragrafen gegossen. Das Werk trägt den sperrigen Namen „Gesetz zur Förderung der Kreislaufwirtschaft und Sicherung der umweltverträglichen Bewirtschaftung von Abfällen“.

Der Einfachheit halber spricht man im alltäglichen Leben vom Kreislaufwirtschaftsgesetz (KrWG). Die Einzelheiten zu diesem Gesetz finden Sie auf der Webseite des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz.

Papierarten im Überblick

Umweltpapier oder Recyclingpapier? Und was ist eigentlich Naturpapier? Damit Sie sich im Dschungel des Angebots einen Überblick verschaffen können, haben wir in unserem kleinen Glossar die wichtigsten Papierarten unter dem Aspekt der Umweltfreundlichkeit zusammengestellt.

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Dank des einfachen Namens kann man sich unter diesem Begriff sofort etwas vorstellen.  Allerdings geht es nicht nur um Papier, sondern auch um Pappe und Karton Material, das schon einmal benutzt wurde und wiederum den Rohstoff, die sogenannten Sekundärfasern, unter anderem für Recyclingpapier liefert.

In Deutschland kommen wir laut Umweltbundesamt auf eine beachtliche Rücklaufquote von 75 Prozent. 2018 wurden 247 Kilogramm pro Kopf an Papierprodukten verbraucht, was sich auf 20 Millionen Tonnen für das gesamte Land summiert. Demgegenüber stehen 15 Millionen Tonnen Altpapier, die wieder eingesammelt wurden.

Apfelpapier

Begonnen hat alles 2003 in Südtirol. Dort entwickelte ein Ingenieur ein Verfahren, um Rückstände bei der Weiterverarbeitung von Äpfeln sinnvoll zu verwerten. Dadurch entstand ein Kreislaufprodukt in allerbestem Sinne: Das Apfelpapier ist vollständig biologisch abbaubar und recyclebar, wird bei der Herstellung lediglich mit chlorfreier und FSC-zertifizierter Zellulose versetzt.

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Riedle

Dadurch müssen zum einen weniger organische Industrieabfälle entsorgt werden, zum anderen entsteht aus exakt diesen Abfällen ein wertvoller Bio-Rohstoff. Das Apfelpapier mit seiner interessanten Oberflächenstruktur eignet sich daher besonders gut fürs Verpacken von Lebensmitteln.

Frischfaserpapier

Von Frischfaserpapier oder auch Primärfaserpapier spricht man, wenn der verwendete Zellstoff direkt aus pflanzlicher Quelle stammt, aus Holz oder auch anderem Ausgangsmaterial. Das Holz dafür wird in Deutschland zu 80 Prozent importiert, oft aus wertvollen Urwäldern.

Graspapier

Hier stellt, wie der Name bereits sagt, Gras einen Teil des Rohstoffs. Dieses wächst mehrmals im Jahr auf naturbelassenen Wiesen, wird nicht gedüngt und hat nur kurze Transportwege zur Weiterverarbeitung. Beim Herstellungsprozess wird nur wenig Wasser eingesetzt und auf Prozesschemikalien verzichtet. Das vegane und lebensmittelechte Graspapier kann damit als umweltfreundliches Frischfaserpapier gelten.

Da Graspapier auch nicht mit optischen Aufhellern in Berührung kommt, wirken Druckfarben nicht ganz so brillant wie auf reinweißem Papier. Im Bio-Bereich erfreut sich das Graspapier schon großer Beliebtheit und liefert den Rohstoff für Obst- und Gemüseschalen.

Holzfreies Papier

Diese Bezeichnung sagt überhaupt nichts über die Herkunft des Papiers aus. Sie bedeutet lediglich, dass der Inhaltsstoff Lignin durch langes Kochen mit zahlreichen Chemikalien herausgelöst wurde. Dadurch entsteht ein gleichmäßiges Papier von hoher Qualität, wie wir sie heute gewohnt sind.

Verbleibt dieser Stoff im Ausgangsmaterial, ist das Papier uneben, lässt Farbe verlaufen und wird mit der Zeit gelblich. Erkennen kann man das gut an alten Büchern. Bis in die 1950er Jahre wurde noch auf nicht-holzfreiem Papier gedruckt. Auf uns heute wirkt das unansehnlich, doch der Preis für die glatte Oberfläche ist der erwähnte Chemie-Cocktail.

Naturpapier

Besteht ein Papier ausschließlich aus natürlichen Fasern, gilt es als Naturpapier. Das kann Apfel- oder Graspapier sein, aber auch anderer zellulosehaltiger Stoff oder herkömmliches Papier aus Holz, wenn keine synthetischen Fasern beigesetzt werden und keine Oberflächenveredelung mit Lackierung oder anderer Beschichtung erfolgt. Es zählt wie Recyclingpapier zu den ungestrichenen Papieren.

Recyclingpapier

Recyclingpapier besteht zu 100 Prozent aus Altpapier. Das schont die natürlichen Ressourcen, denn es werden dafür keine Bäume abgeholzt. Der Bedarf an Wasser fällt um 70 Prozent, der an Energie um 60 Prozent geringer aus als bei der Herstellung von Papier aus Primärfasern.

Theoretisch kann Papier bis zu sechs Mal wiederverwertet werden, büßt jedoch mit der Zeit an Qualität und Reißfestigkeit ein. Herkömmliches Recyclingpapier im Handel weist meistens lediglich zwei Verwertungszyklen auf.

Ein Problem beim Recyclingpapier stellen die Rückstände aus dem verwendeten Altpapier dar wie Farbreste, Leime und chemische Stoffe. Sie sind aufwendig zu entfernen, was den Ressourcenverbrauch bei der Herstellung erhöht. Zudem können einige der Rückstände auch in dem aufbereiteten Papier verbleiben.

Umweltpapier

Als Umweltpapier beziehungsweise Umweltschutzpapier bezeichnet man Recyclingpapier, das aus Altpapier aus gemischten Haushaltsabfällen besteht, jedoch nicht gebleicht wird und keine chemischen Zusätze erhält. Leime natürlicher Herkunft dürfen allerdings zum Einsatz kommen.

Upcyclingpapier

Upcycling bedeutet, aus Abfall wieder ein nutzbares Produkt herzustellen. Bei Papier ist normalerweise die Rede davon, aus gebrauchtem Papier etwas Neues zu basteln wie beispielsweise Figuren aus Pappmaché oder diverse Gebrauchsgegenstände. Bei Upcyclingpapier sprechen wir aber von Papier als neuem Produkt, das aus anderen Abfällen entstanden ist wie beispielsweise das Apfelpapier.

Waldschutz in Pará: climatepartner.com/1056

Was taugen Siegel für Umweltpapier?

Ein Siegel hat die Aufgabe, den Verbrauchern Orientierung zu geben. Je mehr dieser Gütezeichen sich im Umlauf befinden, desto schwächer wird die Aussagekraft. Die Menge an Papiersiegeln ist kaum noch überschaubar, und der Durchblick, was genau welches Zeichen bescheinigt, dürfte den Konsumenten schwerfallen. Wir stellen deshalb die häufigsten Siegel vor.

Blauer Engel

Das Umweltzeichen des Umweltbundesamts zeichnet Produkte und Dienstleistungen aus verschiedenen Kategorien aus, die umweltfreundlicher sind als vergleichbare konventionelle Angebote. Beim Papier garantiert der Blaue Engel, dass keine optischen Aufheller und andere chemischen Stoffe enthalten sind, das recycelte Papier gleichzeitig den qualitativen Anforderungen entspricht und in dieser Hinsicht dem Frischfaserpapier in nichts nachsteht.

Recyclingpapier, das den Blauen Engel trägt, ist also Umweltpapier. Das Gütezeichen wurde 1978 als ein „marktbasiertes, freiwilliges Instrument der Umweltpolitik“ (Quelle: Blauer Engel) eingeführt. Unternehmen soll so die Möglichkeit gegeben werden, ohne gesetzlichen Zwang eine Vorreiterrolle bei Umwelt-Standards einzunehmen. Der Blaue Engel ist gleichzeitig das einzige Siegel, das bei allen Umweltverbänden Anerkennung erfährt.

FSC (Forest Stewardship Council)

Dieses Siegel spielt eine Rolle, wenn Sie Frischfaserpapier nutzen. Es entstand 1993 nach der Konferenz Umwelt und Entwicklung in Rio de Janeiro und steht in mehr als 80 Ländern für eine nachhaltige Waldwirtschaft in ökologischer, ökonomischer und sozialer Hinsicht. Unabhängige Organisationen kontrollieren die Einhaltung der Vorgaben.

Aktuell gibt es drei Ausführungen des FSC-Siegels:

  • FSC Recycled bezeichnet Papier, das zu 100 Prozent aus Altpapier besteht,
  • FSC 100 % steht für Papier, das ausschließlich aus FSC-zertifiziertem Holz hergestellt wurde,
  • und FSC Mix bezeichnet eine Mischung aus zertifizierten Frischfasern, Holz kontrollierter Herkunft und Altpapier.

In der Kritik steht das FSC, weil in dem jeweiligen Land die dortigen Standards gelten, die teilweise weit unter denen hierzulande liegen. Wesentlich schwerer wiegt jedoch der Umstand, dass unter diesem Siegel auch Urwälder abgeholzt wurden, zum Beispiel in Russland.

Greenpeace, das den FSC mitbegründete, beendete aus diesem Grund 2018 die Mitgliedschaft. Die Umweltorganisation hält die FSC-Zertifizierung jedoch nach wie vor für das beste internationale Siegel. Auf Anraten von Greenpeace sollte man allerdings bei einer Herkunftsbezeichnung darauf achten, dass das Holz nur aus sogenannten Sekundärwäldern und nicht aus Urwäldern stammt.

PEFC (Programme for the Endorsement of Forest Certification Schemes)

Übersetzt heißt die englische Bezeichnung „Zertifizierungssystem für nachhaltige Waldbewirtschaftung“ und steht für ein internationales Waldzertifizierungssystem. Ähnlich wie beim FSC geht es hier nicht nur um die Einhaltung von Umweltvorgaben, sondern auch um die von sozialen und ökonomischen Standards. Das Label PEFC recycelt ist für Produkte vorgesehen, die zu mindestens 70 Prozent aus Recyclingmaterial bestehen.

Das PEFC wurde auch nach der Umweltkonferenz in Rio de Janeiro von 1993 gegründet, allerdings nicht von Umweltorganisationen, sondern von Vertretern der Waldwirtschaft. Daran entzündet sich auch die Kritik am PEFC-Siegel. Dessen Vergabe erfolgt lediglich nach einer Selbstauskunft des Bewirtschafters, die Einhaltung der selbst gestellten Kriterien wird nach Aussage von Greenpeace nicht von unabhängigen Organisationen überprüft.

Naturland

Der Ökoverband vergibt ein Siegel nach den „Naturland Richtlinien zur Ökologischen Waldnutzung“, die in Zusammenarbeit mit BUND, Greenpeace und Robin Wood entwickelt wurden. Bestandteil dieser Richtlinien sind unter anderem „Wiederherstellung bzw. Erhalt naturnaher Wälder, beispielsweise durch natürliche Waldverjüngung, ggf. gezielte Pflanzung heimischer, den lokalen Umweltfaktoren angepassten Baumarten und durch Verbot der Ausbringung gentechnisch veränderter Pflanzen“ (Quelle: Naturland).

Deutschlandweit betreiben derzeit 18 kommunale und private Waldbetriebe eine Waldfläche von mehr als 53.000 Hektar nach den Naturland-Richtlinien. Das nimmt sich gegenüber den 7,3 Millionen Hektar PEFC-zertifizierter Wälder in Deutschland noch sehr gering aus.

EU-Ecolabel

Das Siegel der Europäischen Union, auch bekannt als EU-Blume, zeichnet neben anderen Verbrauchs- und Gebrauchsgegenständen auch Papier aus. Besonders viel Wert wird auf Umweltverträglichkeit durch Recycling, möglichst wenig Chemikalien, niedrigen Energie- und Wasserverbrauch sowie geringe Emissionen gelegt.

In puncto Umweltstandards gilt das EU-Ecolabel als verlässlich. Soziale Mindestanforderungen werden allerdings nicht immer gehalten. Kritik daran stammt auch vom Portal Siegelklarheit der Bundesregierung, bezieht sich jedoch überwiegend auf die Textilproduktion.

Nordic Swan Ecolabel

Für dieses Siegel haben sich Dänemark, Schweden, Norwegen, Finnland und Island zusammengeschlossen. Das offizielle Umweltzeichen der skandinavischen Länder für verschiedene Güter schreibt unter anderem vor, dass das Papier nicht mit Elementarchlor gebleicht wird und nicht aus stark schützenswerten Wäldern stammt. Ein Altpapieranteil ist nicht vorgeschrieben.

Pro Planet

Hierbei handelt es sich um ein eigenes Label zusammengeschlossener Supermarktketten. Verbraucherschützer kritisieren dieses Siegel als verwirrend, da es sowohl Recycling- als auch Frischfaserpapier auszeichnet. Es bietet zudem keine weiteren Informationen im Vergleich mit den anderen Siegeln. Die Gründung erfolgte vermutlich aus Marketinggründen.

ÖKOPAplus

ÖKOPAplus ist das Siegel eines Herstellers von Büro- und Schulmaterial, der nach eigenen Angaben als erstes Unternehmen „die Markteinführung industriell gefertigter Schreibwaren aus weißem Recyclingpapier mit Blauem Engel vorgenommen“ hat. Die eigenen Richtlinien sind sehr streng, garantieren sowohl eine hohe Umweltverträglichkeit als auch Qualität.

Aqua pro Natura

Dieses Siegel ist nach Meinung von Verbraucherschutzbeauftragen und Greenpeace absolut wertlos. Es besagt lediglich, dass für Papier mit diesem Label kein Tropenholz geschlagen wurde. Oft entstehen die Fasern aber aus Plantagenholz, das auf den Flächen ehemaliger Tropen-Urwälder wächst, die extra zu diesem Zweck gerodet wurden. Es bietet zudem keinerlei Schutz für Holz aus nordischen Urwäldern, die genauso erhaltenswert sind.

Weitere Bezeichnungen

Es gibt einige Bezeichnungen, die sich zunächst gut anhören, aber sich beim genauen Hinsehen als Mogelpackungen entpuppen.

  • Holzfreies Papier: Wie oben beschrieben, handelt es sich mitnichten um ein Produkt ohne Holzrohstoff, sondern lediglich ein Papier, das kein Lignin enthält.
  • Chlorfrei gebleicht: So lange nicht „100 % chlorfrei gebleicht“ auf der Verpackung steht, können sehr wohl Chlorverbindungen beteiligt gewesen sein, nur kein Elementarchlor.
  • TCF (100 % chlorfrei gebleicht): Beim TCF-Papier kommt tatsächlich kein Chlor zum Einsatz, sondern Sauerstoff oder Wasserstoffperoxid. Es handelt sich allerdings um Frischfaserpapier.

Umweltfreundliches Papier im eigenen Unternehmen

Keine Frage, das umweltfreundlichste Papier ist jenes, das gar nicht erst verbraucht und deshalb auch nicht produziert wird. Gerade in Büros wandert der Mauszeiger mitunter allzu leicht auf den „Drucken“-Button. Dabei müssen die Tagesordnungspunkte des Jour fixe nicht unbedingt auf Blatt vor jedem Teilnehmer liegen, braucht ein E-Mail-Rundschreiben nicht auch noch ausgedruckt in allen Postkästen zu landen und ist es nicht nötig, alle Vorgänge auch in Aktenordnern abzulegen.

Es lohnt sich, die Arbeitsgänge einmal unter dem Aspekt des Papierverbrauchs zu durchleuchten. Meistens eröffnet sich bei genauer Betrachtung einiges an Einsparpotenzial. Bei Druckaufträgen empfiehlt es sich, vorausschauend zu planen. Die benötigten Mengen werden oft überschätzt (lesen Sie dazu auch 5 Tipps für einen umweltfreundlichen Druck).

Entscheidung für Recyclingpapier

Nimmt man den Umweltgedanken ernst, ist Recyclingpapier die erste Wahl. Allerdings genügt es nicht, dass dieses lediglich zu 100 Prozent aus Altpapier besteht. Es sollte schonend aufbereitet werden und keine Schadstoffe enthalten. Ein verlässliches Siegel dafür ist der Blaue Engel. Es garantiert nicht nur für die ökologische Unbedenklichkeit, sondern auch für eine hohe Qualität des Papiers. Im Preis unterscheidet sich Recyclingpapier übrigens kaum von Frischfaserpapier, ist manchmal sogar günstiger.

Eine Auswahl an umweltfreundlichen Papiere aus unserem Onlineshop:

Umweltverträgliches Frischfaserpapier

Ganz ohne Papier aus Frisch- beziehungsweise Primärfasern kommen wir nicht aus. Denn schließlich lässt sich Papier nicht beliebig oft aufbereiten, sodass am Anfang der Verarbeitungskette hin und wieder jungfräuliches Papier stehen muss. Dies schont die Umwelt niemals so sehr wie Recyclingpapier, da wir dafür natürliche Ressourcen benötigen, zudem mehr Energie und Wasser nutzen müssen.

Alternative Fasern

Dennoch gibt es auch Frischfaserpapier, das eine bessere Ökobilanz aufweist als ein vergleichbares anderes Produkt. Da haben wir allen voran das Apfelpapier, das nicht nur aus unbelastetem Rohmaterial besteht, sondern darüber hinaus eine sinnvolle Verwertung von organischen Abfällen darstellt. Auch Graspapier, das von nachhaltig bewirtschafteten Wiesen stammt, kann eine umweltfreundliche Alternative sein.

Allerdings sind nicht alle Fasern, aus denen Papier gewonnen werden kann, gleichermaßen ökologisch. Bei einigen Rohstoffen wie beispielsweise Bambus fallen die Transportwege mitunter zu lang aus, bei anderen gestaltet sich der Herstellungsprozess als zu aufwendig oder macht den Einsatz vieler Chemikalien nötig.

Mit Holz aus nachhaltiger Waldbewirtschaftung

Kahlschlag, Bodenerosion und Verlust von wertvollem Urwald lassen sich durch nachhaltiges Wirtschaften vermeiden. Absolut auf Nummer sicher gehen Sie mit Naturland- und in Deutschland zertifizierten FSC-Produkten. Bei FSC-Papier aus anderen Ländern, sollten Sie darauf achten, dass kein Urwaldholz verarbeitet wurde.

 

Quellen:

Umweltbundesamt (https://www.umweltbundesamt.de/)
Blauer Engel (https://www.blauer-engel.de)
Greenpeace (https://www.greenpeace.de)

Bildquellen:

Narith Thongphasuk, Man As Thep, hxdyl, Kovalov Anatolii (via Shutterstock); climatepartner.com/1056; Riedle

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